Platon - ein vedischer Philosoph aus Griechenland

Platon lebte von 428 bis 348 vor Christus, vorwiegend in Athen. Er ist einer der bedeutendsten, wenn nicht der bedeutendste westliche Philosoph und kann zurecht als vedischer Philosoph bezeichnet werden, weil seine Erkenntnis und seine Schau der Wirklichkeit an Tiefe der der größten vedischen Exponenten des Wissens wie Veda Vyasa oder Shankara kaum nachsteht. Veda heißt Wissen. Der Veda ist eine kosmische Realität und nicht auf Indien beschränkt.

Das Bild links zeigt einen Ausschnitt aus Raffaels Gemälde "Die Schule von Athen". Im Zentrum des Bildes sind Platon (links, rot gekleidet) und neben ihm sein Schüler Aristoteles (rechts) zu sehen. Platons Geste zeigt das Streben nach höchster Erkenntnis an, während die Geste von Aristoteles darauf hinweist, dass man auch mit einem sehr viel niedrigeren Niveau von Erkenntnis zufrieden sein und sich dennoch als Philosoph (Liebhaber der Weisheit) bezeichnen kann. Leider ist der westliche Mainstream später Aristoteles gefolgt.

Was ist der wesentliche Unterschied zwischen Platon und Aristoteles? Für Platon ist ein Philosoph jemand, der unmittelbare innere Erfahrung der innersten, unvergänglichen Wirklichkeit des Lebens mit intellektueller Erkenntnis verbindet (Vigyana und Gyana heißt das in Sanskrit) - wir werden das später noch mit Zitaten von Platon belegen. Aristoteles hingegen ist, an dieser Definition gemessen, eher ein Denker und Grübler als ein Philosoph; über innere spirituelle Erfahrung spricht er nicht und verfügt er offensichtlich auch nicht; er ersetzt sie durch ins Detail gehende logische Argumentationen, naturwissenschaftliche Spekulationen und einen Schwall von Worten.

Wenn man spirituelles Wissen besitzt, kann man zwar Aristoteles-Kommentare zusammenstellen, die zu spirituellen Aussagen der vedischen Meister passen, aber das liegt nur daran, dass Aristoteles sich auf die traditionellen griechischen Philosophen bezieht und ihre Terminologie assimiliert ("Logos" usw.). Eine ähnlich seelen- und substanzlose Assimilation hat später Hegel mit den Traditionen der Mystik und des Deutschen Idealismus (Jakob Böhme, Meister Eckhart; Schelling, Fichte und andere) vollzogen und diesen Traditionen damit den Todesstoß versetzt, was deren Bedeutung für den Mainstream der Philosophie anbetrifft. Saulus/Paulus und die Kirche haben dasselbe mit der Lehre von Jesus von Nazareth gemacht und so lebendige Gotteserfahrung in ein lebloses dogmatisches Konstrukt umgewandelt.

Seit Aristoteles wird die direkte Erfahrung der höchsten Wirklichkeit in innerer Schau im westlichen Mainstream nicht mehr als Grundlage der Philosophie und der wissenschaftlichen Erkenntnis der Welt angesehen, sondern nur noch als primitive mythische Vorstufe der Philosophie diskreditiert oder der Religion und Mystik zugewiesen. Das war ein entscheidender Schritt in der Wendung des westlichen Mainstreams vom Idealismus hin zum Materialismus. Nun ja, wenn man nach Westen schaut, sieht man eben die Sonne untergehen ...

Platon trägt seine Philosophie nicht einfach als Abhandlungen vor, sondern als Wiedergabe von Dialogen zwischen Platons verehrtem Lehrer Sokrates und zeitgenössischen Gesprächspartnern. Diese Dialogform macht Platons Werke teilweise sehr lebendig und interessant, kann aber mitunter auch als etwas nervig oder gekünstelt empfunden werden.

Im folgenden werde ich eine Reihe von Zitaten aus Platons Werken anführen, die seinen Status als vedischer Philosoph belegen. Meine Anmerkungen und Erläuterungen sind an der kursiven Schrift zu erkennen.

Wer ist ein Philosoph?

In seinem Hauptwerk "Der Staat" (Politeia) stellt Platon sein Konzept eines idealen Staatswesens vor und lässt Sokrates sagen:

"Wenn nicht entweder die Philosophen Könige werden in den Staaten oder die heutigen sogenannten Könige und Gewalthaber sich aufrichtig und gründlich mit Philosophie befassen und dies beides in eines zusammenfällt, politische Macht und Philosophie, und wenn nicht die vielen Naturen derer, die jetzt ausschließlich eines der beiden Ziele verfolgen, zwangsweise ausgeschlossen werden, gibt es, mein lieber Glaukon, kein Ende des Unheils für die Staaten." - Politeia 473c-473e.

Es ist klar, dass die Erwartung, dass die Staatswesen nur gedeihen werden, wenn die Philophen Herrscher sind oder die Herrscher Philosophen, völlig unsinnig wäre, wenn man sich unter einem Philosophen jemanden vorstellt, der hochtrabende Reden hält oder mit Fremdworten gespickte, schwer verständliche Bücher über den Sinn des Lebens verfasst. Platons Erziehungssystem zum Philosphenherrscher sieht vor, die talentiertesten und vielversprechendsten jungen Leute auszuwählen und sie eine jahrelange systematischen Ausbildung durchlaufen zu lassen, in der Musik, Leibesübungen und vor allem Mathematik eine wichtige Rolle spielen. Literarische Werke sollen auch gelesen werden, aber keine Unterhaltungsliteratur, die nur der Zerstreuung dient, sondern vornehmlich Götter- und Heldensagen (Purana). Auch in praktischen, verantwortungsvollen Tätigkeiten müssen sie sich immer wieder bewähren, bis sie schließlich im Alter von 50 Jahren den wichtigsten Teil ihrer Ausbildung erfahren, in der ihnen die unmittelbare innere Schau der höchsten, unvergänglichen Wirklichkeit vermittelt wird, die von Platon als "Das Gute" oder die "Idee des Guten" bezeichnet wird.

Was Platon als Ideen bezeichnet sind keine abstrakten Vorstellungen, sondern sehr reale, lebendige Bewusstseinskräfte, die der inneren Erfahrung zugänglich sind. Dies gilt insbesondere für die höchste Idee, die Idee des Guten. Der Vorwurf des Aristoteles, Platon verdoppele unnötigerweise die Welt, indem er der durch die Sinne wahrnehmbaren Welt eine Welt der Ideen hinzufüge, ist ähnlich ignorant, wie wenn man den Atom- oder Quantenphysikern vorwerfen würde, dass sie die sinnlich wahrnehmbare Welt verdoppeln, indem sie ihr eine Welt der Atome oder der Quanten hinzufügen.

"Haben sie aber das fünfzigste Jahr erreicht, so muss man diejenigen, die alles glücklich bestanden und sich in jeder Beziehung im tätigen Leben wie auf wissenschaftlichem Gebiet durchweg ausgezeichnet haben, endlich zum Ziel führen und sie veranlassen, den Lichtstrahl ihrer Seele nach oben zu richten und unmittelbar in den Urquell allen Lichtes zu schauen. Und wenn sie das Gute selbst geschaut haben, dann müssen sie es als Vorbild verwenden und ihr weiteres Leben lang ihre ordnende Fürsorge abwechselnd dem Staat, den einzelnen Mitbürgern und sich selbst widmen.

Dabei bleibt ihnen der größte Teil ihrer Zeit für die Beschäftigung mit der Philosophie vorbehalten; wenn aber die Reihe an ihn kommt, muss ein jeder die sorgenvollen staatlichen Geschäfte und Herrscherpflichten auf sich nehmen, dem Staate zuliebe, nicht als etwas Wünschenswertes und Schönes, sondern als etwas Notwendiges. Und wenn sie in diesem Geiste immer wieder andere zu gleicher Tüchtigkeit erzogen und sie an ihrer Statt als Wächter des Staates zurückgelassen haben, dann sollen sie zu den Inseln der Seligen als ihrer Wohnstätte abscheiden. Durch Denkmäler aber muss der Staat sie auf seine Kosten als göttliche Wesen ehren." - Politeia 540a-c

Man kann es sicher bedauerlich finden, dass in Platons Ausbildungsweg die Schau der höchsten Wirklichkeit erst im Alter von 50 Jahren vermittelt werden soll, denn diese Erfahrung verfeinert und transformiert alle Aspekte der Persönlichkeit mehr als jede andere Methode der Persönlichkeitsentwicklung. Allerdings ist die hier beschriebene systematische Ausbildung ein bloßes Konzept Platons geblieben; in der Praxis ist sie nie verwirklicht worden. Am Königshof in Syrakus versuchte Platon, sein Konzept des Philosophenkönigs tatsächlich in die Praxis umzusetzen, aber das Projekt scheiterte. Platon geriet dort in das Spannungsfeld politischer Machtkämpfe und wurde schließlich als Sklave verkauft. Von einem Freund freigekauft kehrte er nach Athen zurück.

Um eine Vorstellung zu vermitteln, was mit der Schau der höchsten Wirklichkeit, der Idee des Guten, die das Zentrum der Philosophie ausmacht, gemeint ist, verwendet Platon drei Gleichnisse: das Höhlengleichnis, das Sonnengleichnis und das Liniengleichnis.

Der Weg aus der Matrix - Platons Höhlengleichnis

Sokrates berichtet von einem Gespräch mit seinem Schüler Glaukon (Politeia, Buch 7):

"Nächstdem, sprach ich, vergleiche dir unsere Natur in Bezug auf Bildung und Unbildung folgendem Zustande:

Sieh nämlich Menschen wie in einer unterirdischen höhlenartigen Wohnung, die einen gegen das Licht geöffneten Zugang längs der ganzen Höhle hat. In dieser seien sie von Kindheit an gefesselt an Hals und Schenkeln, so dass sie auf demselben Fleck bleiben und auch nur nach vorne hin sehen, den Kopf aber herumzudrehen der Fessel wegen nicht vermögend sind. Licht aber haben sie von einem Feuer, welches von oben und von ferne her hinter ihnen brennt. Zwischen dem Feuer und den Gefangenen geht oben her ein Weg, längs diesem sieh eine Mauer aufgeführt, wie die Schranken welche die Gaukler vor den Zuschauern sich erbauen, über welche herüber sie ihre Kunststücke zeigen.

Ich sehe, sagte er.

Sieh nun längs dieser Mauer Menschen allerlei Gefäße tragen, die über die Mauer herüber ragen, und Bildsäulen und andere steinerne und hölzerne Bilder und von allerlei Arbeit; Einige, wie natürlich, reden dabei, andere schweigen.

Ein gar wunderliches Bild, sprach er, stellst du dar und wunderliche Gefangene.

Uns ganz ähnliche, entgegnete ich. Denn zuerst, meinest du wohl, dass dergleichen Menschen von sich selbst und von einander etwas anderes zu sehen bekommen als die Schatten, welche das Feuer auf die ihnen gegenüberstehende Wand der Höhle wirft?

Wie sollten sie, sprach er, wenn sie gezwungen sind zeitlebens den Kopf unbeweglich zu halten!

Und von dem vorübergetragenen nicht eben dieses?

Was sonst?

Wenn sie nun mit einander reden könnten, glaubst du nicht, dass sie auch pflegen würden dieses vorhandene zu benennen was sie sähen?

Notwendig.

Und wie, wenn ihr Kerker auch einen Widerhall hätte von drüben her, meinst du, wenn einer von den Vorübergehenden spräche, sie würden denken etwas anderes rede als der eben vorübergehende Schatten?

Nein, beim Zeus, sagte er.

Auf keine Weise also können diese irgend etwas anderes für das wahre halten als die Schatten jener Kunstwerke?

Ganz unmöglich.

Nun betrachte auch, sprach ich, die Lösung und Heilung von ihren Banden und ihrem Unverstande, wie es damit natürlich stehn würde, wenn ihnen folgendes begegnete: Wenn einer entfesselt wäre, und gezwungen würde sogleich aufzustehn, den Hals herumzudrehn, zu gehn und gegen das Licht zu sehn, und indem er das täte immer Schmerzen hätte, und wegen des flimmernden Glanzes nicht recht vermöchte jene Dinge zu erkennen, wovon er vorher die Schatten sah: Was meinst du wohl, würde er sagen, wenn ihn einer versicherte, damals habe er lauter Nichtiges gesehen, jetzt aber dem Seienden näher und zu dem mehr Seienden gewendet sähe er richtiger, und ihm jedes vorübergehende zeigend ihn fragte und zu antworten zwänge was es sei? Meinst du nicht er werde ganz verwirrt sein und glauben, was er damals gesehn sei doch wirklicher als was ihm jetzt gezeigt werde?

Bei weitem, antwortete er.

Und wenn man ihn gar in das Licht selbst zu sehen nötigte, würden ihm wohl die Augen schmerzen und er würde fliehen und zu jenem zurückkehren was er anzusehen im Stande ist, fest überzeugt, dies sei weit gewisser als das letzt gezeigte?

Allerdings.

Und, sprach ich, wenn ihn einer mit Gewalt von dort durch den unwegsamen und steilen Aufgang schleppte, und nicht losließe bis er ihn an das Licht der Sonne gebracht hätte, wird er nicht viel Schmerzen haben und sich gar ungern schleppen lassen? Und wenn er nun an das Licht kommt und die Augen voll Strahlen hat, wird er nichts sehen können von dem was ihm nun für das Wahre gegeben wird."

Mit der richtigen vedischen Bewusstseinstechnik (Transzendentale Meditation) kann man die von Platon beschriebene innere Erfahrung der höchsten Wirklichkeit auch ohne Gewaltsamkeit und Schmerzen machen; dann ist das auch kein "Sich-ungern-schleppen-Lassen", sondern eine freudevolle Erfahrung. Allerdings empfehlen auch die vedischen Meister Indiens, den Weg zur Erleuchtung in vielen kleinen Schritten zu gehen, durch regelmäßige tägliche Meditation, abgewechselt mit gesunder Alltagsaktivität.

"Freilich nicht, sagte er, wenigstens nicht sogleich.

Gewöhnung also, meine ich, wird er nötig haben um das Obere zu sehen. Und zuerst würde er Schatten am leichtesten erkennen, hernach die Bilder der Menschen und der andern Dinge im Wasser, und dann erst sie selbst. Und eben so was am Himmel ist und den Himmel selbst würde er am liebsten in der Nacht betrachten und in das Mond- und Sternenlicht sehn als bei Tage in die Sonne und in ihr Licht.

Wie sollte er nicht!

Zuletzt aber, denke ich, wird er auch die Sonne selbst, nicht Bilder von ihr im Wasser oder anderwärts, sondern sie selbst an ihrer eigenen Stelle anzusehn und zu betrachten im Stande sein.

Notwendig, sagte er.

Und dann wird er schon herausfinden von ihr, dass sie es ist die alle Zeiten und Jahre schafft und alles ordnet in dem sichtbaren Raume, und auch von dem was sie dort sahen gewissermaßen die Ursache ist.

Offenbar, sagte er, würde er nach jenem auch hierzu kommen.

Und wie, wenn er nun seiner ersten Wohnung gedenkt und der dortigen Weisheit und der damaligen Mitgefangenen, meinst du nicht er werde sich selbst glücklich preisen über die Veränderung, jene aber beklagen?

Ganz gewiss.

Und wenn sie dort unter sich Ehre, Lob und Belohnungen für den bestimmt hatten, der das Vorüberziehende am schärfsten sah und sich am besten behielt was zuerst zu kommen pflegte und was zuletzt und was zugleich, und daher also am besten vorhersagen konnte was nun erscheinen werde: glaubst du es werde ihn danach noch groß verlangen, und er werde die bei jenen geehrten und Machthabenden beneiden? Oder wird ihm das Homerische begegnen und er viel lieber wollen das Feld als Tagelöhner bestellen einem dürftigen Mann und lieber alles über sich ergehen lassen als wieder solche Vorstellungen zu haben wie dort, und so zu leben?

So, sagte er, denke ich wird er sich alles eher gefallen lassen als so zu leben.

Auch das bedenke noch, sprach ich. Wenn ein solcher nun wieder hinunterstiege und sich auf denselben Schemel setzte: würden ihm die Augen nicht ganz voll Dunkelheit sein, da er so plötzlich von der Sonne herkommt?

Ganz gewiss.

Und wenn er wieder in der Begutachtung jener Schatten wetteifern sollte mit denen, die immer dort gefangen gewesen, während es ihm noch vor den Augen flimmert ehe er sie wieder dazu einrichtet, und das möchte keine kleine Zeit seines Aufenthalts dauern, würde man ihn nicht auslachen und von ihm sagen, er sei mit verdorbenen Augen von oben zurückgekommen, und es lohne nicht, dass man versuche hinaufzukommen; sondern man müsse jeden, der sie lösen und hinaufbringen wollte, wenn man seiner nur habhaft werden und ihn umbringen könnte, auch wirklich umbringen?

So sprächen sie ganz gewiss, sagte er."

Sokrates wurde in Athen zum Tode verurteilt, weil er die die Jugend verderbe und andere Götter als die des Staates lehre (Jugendsekten-Vorwurf).

Eine Illustration zu Platons Höhlengleichnis findet man u. a. hier, einen lustigen Comic dazu hier (externe Links).

"Dieses ganze Bild nun, sagte ich, lieber Glaukon, musst du mit dem früher Gesagten verbinden, die durch das Gesicht uns erscheinende Region der Wohnung im Gefängnisse gleich setzen, und den Schein von dem Feuer darin der Kraft der Sonne; und wenn du nun das Hinaufsteigen und die Beschauung der oberen Dinge setzest als den Aufschwung der Seele in die Gegend der Erkenntnis, so wird dir nicht entgehen, was mein Glaube ist, da du doch dieses zu wissen begehrst. Gott mag wissen ob er richtig ist; was ich wenigstens sehe, das sehe ich so, dass zuletzt unter allem Erkennbaren und nur mit Mühe die Idee des Guten erblickt wird, wenn man sie aber erblickt hat, sie auch gleich dafür anerkannt wird, dass sie für Alle die Ursache alles Richtigen und Schönen ist, im sichtbaren das Licht und die Sonne, von der dieses abhängt, erzeugend, im Erkennbaren aber sie allein als Herrscherin Wahrheit und Vernunft hervorbringend, und dass also diese sehen muss, wer vernünftig handeln will es sei nun in eigenen oder in öffentliche Angelegenheiten.

Auch ich, sprach er, teile die Meinung, so gut ich eben kann.

Das Hauptkennzeichen der wahren Philosophie beschreibt Platon als die im Höhlengleichnis beschriebene Umlenkung der Seele nach innen, weg von der über die die Sinne wahrgenommenen veränderlichen Welt, der Welt der bloßen Meinung und der Schatten, hin zum inneren Licht, zu der Sonne der unvergänglichen Wirklichkeit im Inneren, der Welt des Seienden, des Wissens, der Idee des Guten. Der wahre Philosoph, der die Liebe zur Weisheit verwirklicht, ist derjenige, der erfolgreich diesen Weg nach innen beschreitet und die höchste Wirklichkeit schaut. Zu dieser Umlenkung der Seele sagt Platon:

"Das ist nun freilich, scheint es, nicht wie sich eine Scherbe umwendet, sondern es ist eine Umlenkung der Seele, welche aus einem gleichsam nächtlichen Tage zu dem wahren Tage des Seienden jene Auffahrt antritt, welche wir eben die wahre Philosophie nennen wollen." - Politeia. Buch 7, 521

Reinkarnation

In seinem Hauptwerk "Der Staat" ("Politeia") beschreibt Platon in den Abschnitten 613e bis 621d die Erlebnisse eines Menschen namens "ER, Sohn des Armenios", nach dem Tod bis zu seiner Wiedergeburt. Das kann man im Internet z. B. hier nachlesen (mit den beiden Pfeiltasten oben kann man zwischen den verschiedenen Teilen der Übersetzung blättern). Das Ganze ist Dichtung, kein wirklicher Erfahrungsbericht, aber Platon stellt hier seine Vorstellungen über die Seelenwanderung dar, die weitgehend mit denen der alt-griechischen orphischen und pythagoreischen Traditionen übereinstimmen.

Das Thema Reinkarnation nimmt in Platons Philosophie keinen großen Raum ein. Dasselbe gilt auch für die vedischen Schriften. So wird z. B. in der Bhagavad Gita die Wiedergeburt nicht etwa als aufsehenerregende Lehre pathetisch verkündet, sondern im 2. Kapitel wird sehr unaufgeregt quasi nebenbei einmal davon berichtet: "So wie der, der den Körper bewohnt, Kindheit, Jugend und Alter durchlebt, genauso gelangt er auch in einen anderen Körper – der Weise wird hiervon nicht verwirrt ... So, wie ein Mensch alte, abgetragene Kleider ablegt und andere, neue anzieht, so lässt auch der Bewohner des Körpers den abgenutzten Körper zurück und geht in einen anderen, neuen ein."

Es gibt eine Einstiegsprozedur der Seele in den Körper und eine Ausstiegsprozedur und eine Zwischenphase zwischen Tod und neuer Geburt – da es so ist, kann man es ruhig einmal erwähnen.

Regierungsform und Persönlichkeitsstruktur

Bemerkenswert ist Platons Darlegung, dass die Regierungsform in einem Land mit einer bestimmten Persönlichkeitsstruktur der Mehrzahl der in dem Staat lebenden Menschen einhergeht (Politeia, Buch 8). In der idealen Regierungsform der Herrschaft der Besten, der Philosophen (siehe oben), trachtet die Mehrheit der Menschen primär nach Selbstvervollkommnung und einem rechtschaffenen Lebenswandel. Hier einige Zitate Platons über die Mentalität der Mehrheit der Menschen, die unter der, seiner Beurteilung nach, "zweitschlechtesten Regierungsform", der Demokratie, leben:

"Nun, da ist wohl die allererste Eigenschaft, dass sie frei sind, dass der Staat voll Freiheit und voll Redefreiheit ist, und dass in ihm unbedingte Erlaubnis herrscht, zu tun, was einer nur will, nicht wahr?"

"Wo aber in einem Staate eine gänzliche Ungebundenheit eintritt, da versteht sich von selbst, dass ein jeder hinsichtlich seines Privatlebens eine Einrichtung trifft, wie es seiner subjektiven Laune gefällt."

"Es scheint demnach ... dass dies die schönste der Staatsverfassungen sei: Wie ein buntes, mit Blumen aller Art ausgesticktes Kleid, so ist auch diese mit subjektiven Charakteren aller Art ausstaffierte Verfassung dem Anscheine nach die schönste, und die große Mehrheit, die mit einem Kinder und Weiberverstande nur an dem Bunten ihr Auge ergötzt, wird sie auch gewiss als die schönste wirklich anerkennen.

"[Der demokratische Mensch] lebt also sein ganzes Leben lang jeden Tag der ersten besten sich einstellenden Lust zu Gefallen: Bald berauscht er sich und lässt sich durch Flötenspiel ergötzen; bald trinkt er Wasser und hungert sich ab; bald wiederum quält er sich mit gymnastischen Übungen; bald faulenzt er und vernachlässigt alle Geschäfte; bald tut er, als beschäftige er sich mit tiefer Wissenschaft (Philosophie); oft treibt er Politik und spricht und tut in der Volksversammlung, was ihm nur während des Aufspringens in den Sinn kommt; wird er einmal eifersüchtig auf den Ruhm von Kriegsmännern, so stürzt er sich auch darauf; wird er's auf den Gewinn der Geschäftsleute, so lässt er sich auch wiederum damit ein. Kurz: weder eine Ordnung noch eine Konsequenz ist in seinem Leben; sondern er nennt ein solches Leben frei und selig und treibt es bis zu seinem Ende."

"Der Hauptcharakter dieses Individuums drückt sich erstlich darin aus, dass er eine Buntscheckigkeit und Fülle von fast allen Charakteren darbietet; zweitens, dass ein solcher Mensch, gerade wie die ihm entsprechende Verfassung, der schöne und buntscheckige ist, den die Mehrheit der Männer- wie der Frauenwelt wegen seines herrlichen Lebens bewundert, weil so ein Exemplar Muster von Staats- und Herzensverfassungen in reichster Auswahl in sich enthält."

"Wenn du alle diese Erscheinungen zusammennimmst, fuhr ich fort, siehst du nun ein, was das Allerschlimmste hierbei ist? Dass sie die Seele der Bürger so empfindlich machen, dass sie, wenn ihnen jemand auch nur den mindesten Zwang antun will, sich alsbald verletzt fühlen und es nicht ertragen; ja endlich, wie du wohl weißt, verachten sie gar alle Gesetze, die geschriebenen wie die ungeschriebenen, um nur keinen Gebieter in irgend einer Beziehung über sich zu haben ... Diese so schöne, sagte ich, und jugendlich kecke Wirtschaft, mein Lieber, ist also denn der Anfang, woraus die Staatsform der Tyrannis erwächst, wie ich glaube."

Aus der Sicht Platons liegt es in der Natur der Demokratie, letztlich in die Tyrannis überzugehen, die Gewaltherrschaft, die Diktatur, die schlechteste aller Regierungsformen, in der einige wenige der gesamten Gemeinschaft ihren Willen aufzwingen.

"Denn die allzu große Freiheit schlägt offenbar in nichts anderes um als in allzu große Knechtschaft, sowohl beim Individuum wie beim Staate. Natürlich ... geht die Tyrannis aus keiner anderen Staatsverfassung hervor als aus der Demokratie, aus der zur höchsten Spitze getriebenen Freiheit die größte und drückendste Knechtschaft."

Es ist sehr unterhaltsam, sich Platons Aussagen über den unvermeidlichen Übergang von der Demokratie in die Tyrannis im Detail zu Gemüte zu führen. Im Internet kann man das z. B. hier finden.

Vom 21. Jahrhundert mit seinen multinationalen Konzernen, Massenmedien, WHO, WEF, Weltbank, Google, Facebook, KI, Genmanipulation, Globalisierung und Gestalten wie Bill Gates, George Soros oder Klaus Schwab und dem weltweiten Verfall staatlicher Souveränität und Autorität konnte Platon zu seiner Zeit natürlich nichts ahnen, aber seine Einsichten über die Mechanismen des Übergangs von der Demokratie zur Diktatur sind trotzdem auch heute noch lehrreich.